Propstei St. Gerold

Anerkennungspreis – Constructive Alps 2017

Die Propstei in St. Gerold in Vorarlberg ist ein Ableger des Klosters Einsiedeln. Wo immer möglich, wurden die neuen Nutzungen in den bestehenden Gebäuden untergebracht. Neubauten kommen ausserhalb des Klosterhofs zu liegen. Diesem Prinzip folgt auch die jüngste Erweiterung. Wo es der Denkmalschutz erlaubt, wurden die Bestandesbauten nachgedämmt, das Tragwerk wurde ertüchtigt, das Dach renoviert und wieder mit den gleichen Ziegeln eingedeckt. Der Innenausbau erfolgt in Eschenholz aus dem eigenen Wald. Ein Anbau erweitert das Raumangebot zeitgemäss. Er ist aus Holzelementen konstruiert und wird kontrolliert gelüftet. In den bestehenden Bauten kommt so wenig Haustechnik wie nötig zum Einsatz, da das natürliche Klima überzeugt. Mit dem Ausbau des Gastro- und Hotelangebots sichert die Propstei ihren wirtschaftlichen Fortbestand. So bereichert sie das kulturelle und touristische Angebot. Hermann Kaufmann, der Architekt, trägt dem Bestand Sorge und erweitert ihn gezielt, ohne sich anzubiedern oder den Kontrast zu forcieren. Diese Ökonomie der Mittel ist Vorbild für den Umgang mit vielen Bauten aus früheren Zeiten. (aus: Hochparterre)

Propstei, 2017
St. Gerold/A

  • Bauherrschaft: Kloster Einsiedeln
  • Architektur: Hermann Kaufmann, Schwarzach/A
  • Landschaft: Markus Cukrowicz, Winterthur/CH
  • Statik: M + G Ingenieure, Feldkirch/A, Merz Kley Partner, Dornbirn/A
  • Baukosten: € 0.98 Mio.
  • Energiekennzahl: 30.4 kWh / m2a

Weitere Infos: www.propstei-stgerold.at

Egger Stammhaus

Anerkennungspreis – Constructive Alps 2017

Der Firmensitz ist das Schaufenster des Holzwerkstoffbetriebs Fritz Egger in St. Johann in Tirol. Es ist bereits der vierte Verwaltungsbau, den die Firma nach einem eigenen Standard für sich errichtet. Das Gebäude ist um ein Atrium organisiert, das keine Hierarchien definiert: Alle sitzen in den gleichen Büroräumen, auch die Chefs. Der Aufbau ist modular und basiert auf einem Grobspanplattenelement. Es misst 2,8 mal 11,5 Meter. Die Konstruktion prägt den Bau direkt: Die weiss lasierten OSB-Platten werden mit allen Installationen verbaut. Die Fassade ist mit vertikalen Latten aus Lärchenholz verkleidet, Kupferbänder betonen die Horizontale. Die Wärme liefert eine Fernleitung, die Kälte garantiert ein Tiefbrunnen. Das Gebäude ist vor allem mit Autos erschlossen. Die Tiefgarage ist mit Ladestationen für Elektrofahrzeuge bereits jetzt für die Zukunft gerüstet. Mit dem Gebäude setzt Fritz Egger seine Produkte und sein Know-how gekonnt in Szene – selbst die Möblierung stammt aus der eigenen Holzproduktion. Damit setzt das Unternehmen ein Zeichen: Auch grosse Bürogebäude können ökologisch vorbildlich aus Holz realisiert werden. Quantität und Qualität schliessen sich nicht zwingend aus.

Egger Stammhaus, 2015
Weiberndorf 20, St. Johann in Tirol/A

  • Bauherrschaft: Fritz Egger
  • Architektur: architekturwerkstatt, Breitenbach am Inn/A
  • Landschaft: Auböck + Kárász, Wien/A
  • Statik: Alfred R. Brunnsteiner Ziviltechnikergesellschaft, Natters/A
  • Baukosten: € 20 Mio.
  • Energiekennzahl: 9.4 kWh / m2a

Tourismuszentrum, Lac d’Aiguebelette

Anerkennungspreis – Constructive Alps 2017

Das Tourismuszentrum liegt direkt am Lac d’Aiguebelette in Nances. Das Ensemble erstreckt sich längs in der Richtung der Gebirgskette Épine, die sich im Hintergrund auftürmt. Der flache Bürotrakt ist in Beton konstruiert, sein Dach begrünt. Die beiden Hauptflügel ragen als leichte Holzbauten auf, die mit Lamellen aus Douglasie beplankt sind. Von der Seite betrachtet erinnern die Riegel an einfache Scheunen, an den Stirnseiten öffnen sie sich mit viel Glas und grosszügigen Terrassen zum See. Das Satteldach dient als thermischer Puffer, eine Erdsonde liefert die Energie, eine Wärmerückgewinnung nutzt die Abluft. Ökologisch war bereits die Baustelle: Alle Handwerker stammen aus einem Umkreis von fünfzig Kilometern. Das Gebäude empfängt Touristen, die hier im Bauernmarkt einkaufen, sich in der Ausstellung über die Gegend informieren oder im Café essen und trinken. Damit trägt es zur regionalen Identität und Wertschöpfung bei. Das Ensemble verzahnt Bauten und Garten und inszeniert den Blick über den See und in die Berge gekonnt. Dabei bleibt die Architektur zurückhaltend, denn der Hauptakteur ist klar: die Natur.

Touristenzentrum, 2014
Cusina, Nances/A

  • Bauherrschaft: Communauté de Communes du Lac d’Aiguebelette
  • Architektur: Fabriques Architectures Paysages, Fourneaux/F
  • Statik: Maîtres du Rêve, Taninges (Haute-Savoie)/F
  • Baukosten: € 3.5 Mio.
  • Energiekennzahl: 86.2 kWh / m2a

Bundesstrafgericht

Anerkennungspreis – Constructive Alps 2017

Das Gebäude verankert eine öffentliche Funktion in den Bergen. Der Neubau des Schweizer Bundesstrafgerichts von Bellinzona im Tessin erweitert den neoklassizistischen Kopfbau, der als Haupteingang erhalten bleibt. Die Betonmauern, die in weisser Unschuld strahlen, führen die alte Fassade in zeitgenössischer Abstraktion weiter. Die Architekten organisieren die Erweiterung diszipliniert um den Gerichtssaal. Zwei Lichthöfe schaffen Durchblicke und Orientierung im dichten Raumgefüge. Der Gerichtssaal ist der architektonische Höhepunkt, der wie ein Gegenpol zur glatten Fassade wirkt. Wie im kleinen Gerichtssaal überwölbt eine pyramidenförmige Kuppel den Raum. Sie fängt das Licht von oben ein. Ornamente verzieren die schräg zulaufenden Wände und verbessern die Akustik. Die Formenvielfalt stammt aus computergesteuerter Fertigung. Das Gebäude verdichtet das Zentrum und stärkt den Platz. Es verquickt Alt und Neu und wagt im Innern ein architektonisches Experiment. Die Konstruktion ist dauerhaft und flexibel für die Zukunft. Und bei alledem garantiert das Minergie-P-Eco-Zertifikat tiefe Energiewerte und gute Umweltverträglichkeit. Andres Herzog / Hochparterre

Bundesstrafgericht, 2013
Viale Stefano Franscini 7, CH-Bellinzona

  • Bauherrschaft: Schweizerische Eidgenossenschaft
  • Architektur: Bearth & Deplazes, CH-Chur, und Durisch + Nolli, CH-Massagno
  • Statik: Jürg Buchli, CH-Haldenstein, Ingenieurgemeinschaft Edy Toscano, CH-Rivera, Conzett / Bronzini / Gartmann, CH-Chur
  • Baukosten: € 33.5 Mio.
  • Energiekennzahl: 16.1 kWh / m2a

Alp Glivers

Anerkennungspreis – Constructive Alps 2017

Bauern von Sumvitg im Bündner Oberland haben sich in der Genossenschaft Amarenda zusammengeschlossen. Die einen brachten einen Catering-Betrieb ein, der die Produkte der andern braucht, eine Distillerie wurde ausgebaut, LamaTrekking eingerichtet, Käse, Fleisch und Birnenbrot werden angeboten. Auf der Alp Glivers ist ein Stall zu einer Gruppenunterkunft ausgebaut worden. Schulklassen wohnen hier, es werden Hochzeiten und Geburtstage gefeiert. Die Architekten Marlene Gujan und Conrad Pally beliessen einen grossen Teil des Stalls, wie er war. Ins Obergeschoss zogen sie eine Galerie für die Mehrbettzimmer ein, am Kopf des Stalls ist eine gemütliche Stube entstanden. Der Komfort bleibt bescheiden: Wasser wird auf dem Holzofen warm, ein grosser Zuber vor dem Haus dient als Bad. Eine kleine Solaranlage liefert den Strom für das Licht. Mustergültig sind der unternehmerische Mut der Bauern, ihre Gastfreundschaft und die Innenarchitektur. Sie zeigt: Auch das minimal Nötige braucht Gestaltung. Die bis ins Detail schönen Arbeiten in Holz und Stein geben diesem gemeinschaftlichen Ort eine charmante Eigenart. Max Bär / Hochparterre

Umnutzung Hütte Alp Glivers, 2012
CH-Sumvitg

  • Bauherrschaft: Corporaziun d’alps Sumvitg
  • Architektur: Gujan + Pally, CH-Curaglia
  • Baukosten: € 0.43 Mio.

Arena Crap Gries

Anerkennungspreis – Constructive Alps 2017

Die Tribüne liegt am Rhein unterhalb des Dorfs Schluein im Bündner Oberland. Mehrere Mannschaften aus den Dörfern Schluein und Ilanz spielen hier Fussball. Dass Clubmitglieder ihren Fussballplatz in Fronarbeit ausbauen und pflegen, ist weitherum Sitte und Brauch. Doch hier gingen sie einen Schritt weiter. Denn in der ersten Mannschaft spielt Jan Berni. Er ist Torschütze und Architekt. Also entwarf er eine grosszügige Tribüne am Spielfeld. Ihr Rückgrat ist eine geschlossene Mauer. Daran lehnt sich die Holzkonstruktion für die Tribüne unter dem mächtigen Dach – vorne 500 Plätze. Im Erdgeschoss liegen die Umkleidekabinen für die eigene und für die Gastmannschaft,
um je einen Brunnen angeordnet. Im Obergeschoss befindet sich eine Gastwirtschaft. Die beiden Architekten Jan Berni und Georg Krähenbühl haben den Bau auch geleitet. Die 6000 Stunden Fronarbeit haben sie so eingerichtet, dass sie die Clubmitglieder selbst leisten konnten. Von der Konzeption der Zimmermannsarbeit aus Nagel- statt Leimbindern bis zum Innenausbau mit den zur Verfügung gestellten Materialien. Entstanden ist ein geschlossenes Ganzes, robust, ästhetisch anspruchsvoll und so brauchbar, dass auch grosse Mannschaften wie der Hamburger SV hier für ihre Trainingswochen zu Gast sind. Max Bär / Hochparterre

Arena Crap Gries, 2015
CH-Schluein

  • Bauherrschaft: US Schluein Ilanz
  • Architektur: Jan Berni und Georg Krähenbühl, CH-Ilanz
  • Statik: Walter Bieler, CH-Bonaduz
  • Baukosten: € 1.2 Mio.
  • Energiekennzahl: 33 kWh / m2a

Cabane Rambert

Anerkennungspreis – Constructive Alps 2017

Seit Jahren renovieren die Sektionen des Schweizer Alpenclubs ( SAC ) ihre Hütten. Dafür schreibt der SAC jeweils einen Wettbewerb aus. Das Büro Bonnard Woeffray hat den für die Cabane Rambert gewonnen. Die Hütte liegt auf 2582 m ü. M., hoch über dem Wallis. Sie haben der alten Steinhütte einen Rucksack angehängt. Eine Holzkonstruktion steht auf einer Betonplatte. Viel graue Energie ist für die Inox-Fassade nötig, aber das Material ist im Hochgebirge sinnvoll. Im Rucksack ist viel Technik untergebracht: die Zisterne, die Wasseraufbereitung, die Toiletten, die Steuerung der Solaranlage, sowie Batterien, Notstromgerät und die Lagerräume für die Küche. Im alten Steinhaus haben die Architekten grosse Fenster mit Blick auf die Berge und eine geräumige Küche eingebaut. Statt Massenlager mit Wolldecken gibt es nun Mehrbettzimmer und Betten mit zeitgemässer Bettwäsche. Und statt der düsteren Hüttenstimmung helle Farben und eine elegant geschreinerte Einrichtung. Die Cabane Rambert ist ein Beispiel, wie zeitgenössische Architektur den Bestand erweitern kann. Und sie ist ein Beispiel, wie aufwendig es ist, ökologischen und zeitgenössischen Komfort im Hochgebirge einzurichten. Bau und Betrieb sind ohne Helikopter hier nicht mehr möglich. Max Bär / Hochparterre

Cabane Rambert, 2015
Crettaz Morez, CH-Leytron

  • Bauherrschaft: Club Alpin Suisse
  • Architektur: Bonnard Woeffray, CH-Monthey
  • Statik: Kälin & Associés, CH-Lausanne
  • Baukosten: € 1.9 Mio.
  • Energiekennzahl: 214 kWh / m2a